| last update 05.07.2008Frequenzweichenvon K. Föllner
Einleitung: Da ich nicht die gesamte Erklärung sämtlicher
Grundlagen übernehmen kann, versuche ich hier nur einige praktische
Erklärungen an der Oberfläche zu geben. Wer sich hierfür
genau interessiert, sollte sich bei entsprechender Vorbildung wohl oder
übel mit einem Fachbuch auseinander setzen. Zumal man für das
Erstellen der Leiterplatte nachher ja eh Kenntnisse und etwas Erfahrung
besitzen sollte. Über Grundlagen in Elektronik und einfache Mathematik
sollte man dennoch verfügen...
Da auch ich mich mal bei einigen Dingen mal verrechnen oder irren kann, gebe ich keine Garantie für sämtliche Inhalte auf dieser Seite (wie alle anderen einzelnen Seiten bei www.selfmadehifi.de auch ) Ich gehe hier nur auf analoge Filter ein, digitale arbeiten gänzlich anders. Die Aufgabe von Frequenzweichen in der Akustik ist es, den gesamten hörbaren Bereich in einzelne Bereiche zu unterteilen. Typen: Man benutzt hauptsächlich Tief-, Band- und Hochpässe
in der Akustik. Ein Tiefpass (Integrierglied) lässt verstärkt
tiefe Frequenzen durch und dämpft hohe, bei einem Hochpass (Differenzierglied)
ist es umgekehrt. Ein Bandpass lässt mittlere
Frequenzen (ein Frequenzband) durch und dämpft Frequenzen darunter
und darüber. Er entsteht oft durch einfaches (aber entkoppeltes!)
Nacheinanderschalten eines Hoch- und eines Tiefpasses.
Bei Bandpässen laufen die Definitionen manchmal etwas auseinander: Der E-Techniker spricht von Bandpässen 2. Ordnung, obwohl sie nach oben und unten nur mit 6dB/Okt. dämpfen. Grund: Gemeint ist die mathematische Ordnung: der Grad des Polynoms im Nenner der Übertragungsfunktion G(f). Das heißt, Bandpässe, die zu hohen und tiefen Frequenzen mit der gleichen Flankensteilheit arbeiten (Standard), haben immer eine geradzahlige Ordnung.
Passive Weichen teilen den Frequenzbereich direkt vor dem Lautsprecher.
Passiv deshalb, weil sie keine aktiven Bauelemente (Transistoren, Operationsverstärker)
enthalten. Eine pass. Weiche besteht im allgemeinen nur aus Kondensatoren
(Kapazitäten C), Spulen (Induktivitäten L) und ohmschen Widerständen
(R). Im Prinzip stellen komplexe Bauelemente (C, L) einen frequenzabhängigen
Widerstand dar. Bei Spulen erhöht er sich mit ansteigender Frequenz,
bei Kondensatoren sinkt er, bei Widerständen bleibt er konstant.
Durch entsprechende Anordnung können diverse Filter mit unterschiedlichen
Verhalten aufgebaut werden.
Bei Tiefpässen erster Ordnung gilt:
Bei aktiven Weichen geschieht das alles vor der Endstufe. Eine
aktive Weiche arbeitet mit mindestens einem aktiven BE (Bauelement), das
die Abschwächung ausgleichen soll. Die RC-Größenordnungen
unterscheiden sich dabei, da hier hoch- und mittelohmig gearbeitet wird.
Grund dafür sind geringere Ströme und kleinere Bauelemente (Rs
und Cs). Hierbei werden jedoch üblicherweise neben den aktiven BE
(im allgemeinen heute Operationsverstärker OP/OPV) nur Kondensatoren
und Widerstände benutzt. (Spulen sind im NF-Bereich zu groß,
verlustreich und unpraktisch.) Durch entsprechende Anordnung der Bauteile
z.B. in Rückkopplungszweigen werden hier verschiedene Frequenzverläufe
erzeugt. Hierzu wird oft der OP in invertierender Weise (wegen der einfachen
Verstärkungsberechnung V=Z2/Z1) betrieben. Diese Schaltungen hier
gelten alle ohne Offset, das bedeutet eine symmetrische Spannungsversorgung
(plus minus xVolt mit Mittelanzapfung 0V an Masse) für den OP.
Da jedes Filter ein gedämpftes schwingendes System darstellt, gibt die Güte die Unterdrückung dieser Schwingung bei der Resonanzfrequenz des Filters fr an. Je stärker das Schwingen unterdrückt wird, desto besser sind die Impuls- und Sprungantworten. Beim Hören zeigt sich das durch eine deutlich präzisere und impulsivere Wiedergabe. Standardfilter, die die meisten Quellen nach Formeln empfehlen, besitzen eine Güte von 0,707, so dass hier Resonanz- und Grenzfrequenz übereinstimmen. Sie sind deshalb auch einfacher zu berechnen, da die Werte gleich bleiben, wenn man die (entkoppelten) Bauelemente austauscht und aus einem Hoch- z.B. einen Tiefpass macht. In der Praxis wählt man besonders bei teuren Komponenten wegen der besseren Impulsivität etwas geringere Güten zwischen 0,5 und 0,6.
Bessel-Filter (aka Thomson-Filter) besitzen ein hervorragendes Rechteckverhalten, da sie eine frequenzproportionale Phasenverschiebung aufweisen. Durch die starke Dämpfung schwingen sie bei der Sprungantwort extrem wenig und auch Filter höherer Ordnung klingen schnell ab. Mit einer OP-Stufe lässt sich relativ leicht ein Filter 2. Ordnung aufbauen. Durch Umdimensionieren kann man das auch auf 3. Ordnung erweitern. (wie bei passiven Weichen) Filter höhere Ordnung haben aber noch einen anderen Nachteil: Mit steigender Ordnung steigt auch die Gruppenlaufzeit.
Normalerweise ist das Errechnen von Filtern anhand der Koeffizenten aufwendig, weshalb ich den ganzen weiteren theoretischen Teil übersprungen habe, um alles zu vereinfachen. Es werden nur einige oft benutzte Möglichkeiten vorgegeben. Dazu folgende Beispiele:
![]() Die Werte für die Butterworth-Charakteristik: Eingangswiderstand Rin R=Rin/2.
Meist werden aber OPV-Stufen nur als Filter 2. Ordnung aufgebaut, und
diese dann nacheinander geschalten. Das hat u.a. den Vorteil, dass
man bei konstanter Güte nur durch Widerstandsveränderung die
Grenzfrequenz einfach verändern kann. Das wird bei Subwooferweichen
sehr gern gemacht. In nicht invertierender Weise sieht das dann ungefähr
so aus:
![]() Bei diesen Filtern 2. Ordnung wählt man R1=R2 und C1=C2. Die jeweilige Frequenz wird durch das RC-Glied (T=R*C)
bestimmt und beträgt etwa f=1/(6.3*RC)
Für Besselcharakteristik (Q=0,577) gilt dann:
Da man aber ein Mono-Signal am Eingang braucht und nicht nur einen Seitenkanal
verwenden sollte, ist noch eine Mischstufe vorzuschalten, also entweder
je eine Transistorstufe am besten in Emitterschaltung, oder ebenfalls 2
OPVs, es geht auch mit nur einem OPV.
Hier ist als Beispiel ein aktiver Hochpass 2. Ordnung mit einer regelbaren Grenzfrequenz.
Für eine aktive Subwooferabkopplung wird eine regelbare Trennfrequenz
im Bereich zwischen 20...200Hz benötigt. Dafür ergeben sich dann
folgende Werte (Butterworth) C1=C2=150nF; R1=R2=4,7k; R3=R4=10k; P: Tandempoti
mit 2 mal 47kOhm/lin.
Schaltet man n Tiefpässe gleicher Grenzfrequenz, Güte und Flankensteilheit hintereinander, gilt folgende Näherung:
weitere Links: FilterPro Software von Texas Instruments: http://focus.ti.com/docs/toolsw/folders/print/filterpro.html http://www.aktivfilter.de Hier die Schaltung zu einer Phono-Vorstufe. |